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Zur Geschichte der Post in Deutschland und in der Kurpfalz
1) Die Entwicklung der Thurn und Taxis- /Reichs-Post
Das Städtebotenwesen, die Metzgerposten und die Universitätsbotenanstalten werden nicht behandelt. Wohl aber soll als Erster Ludwig XI von
Frankreich erwähnt werden, der 1464 mit einer Verordnung eine königliche Post gründete, welche die Pariser Universitätsbotenanstalt und das Botenwesen von Städten, Zünften und Korporationen ablöste. Insbesondere für
die Bedürfnisse des Staates sollten an den Hauptrouten Frankreichs im Abstand von je 4 (Reit?)-Stunden verläßliche Leute mit vier oder mehr guten Pferden aufgestellt werden, welche die königlichen Kuriere mit
frischen Pferden versorgen und begleiten sollten. Während ein Fußbote täglich 20 km zurücklegen konnte, schaffte die reitende Stafettenpost 120 bis 150 km. Von dem lateinischen Ausdruck dispositi equi,
zu deutsch „an verschiedenen Stellen aufgestellte Pferde”, soll sich das Wort Postes/Post
herleiten (Hartmann S.231). Ab 1480 durften sich Privatpersonen gegen Bezahlung der Pferde bedienen und aus einem Verbot von 1495, bestimmte Schriften aus dem Ausland mitzubringen, kann man schließen, dass auch Privatkorrespondenzen mit der königlichen Post transportiert wurden.
Diese Zentralisierung wie in Frankreich gab es in Deutschland nicht. Da lag das Botenwesen auch nach dem Niedergang der Hanse im Spätmittelalter in
den Händen der Städte. Wo Stadtboten eine regelmäßige Verbindung unterhielten, benützten sie auch die Kaiser.
Die erste landesherrliche Post errichteten die Kurfürsten von Brandenburg. 1486 gingen zweimal monatlich Boten aus der Mark Brandenburg nach
Bayreuth und Ansbach in die anderen Besitztümer der Hohenzollern. Sie brauchten dazu 24 Tage. Dazwischen liegt Sachsen, dessen Herzöge auch Statthalter in Westfriesland waren. Ab 1514 ritten regelmäßig Boten
zwischen diesen beiden Gebieten. Ab der Jahrhundertmitte wurden innerhalb Sachsens landesherrliche Postreiter eingesetzt. Diese Einrichtung bewährte sich anscheinend nicht, denn 1588 schaffte sie Kurfürst Christian
ab und ließ seine Post von Amt zu Amt bringen. 1595 richtete die Stadt Leipzig eine „Briefstube” mit einem eigenen Botenmeister ein und erweiterte diese Einrichtung 1608 zu einem Botenhaus mit mehr als 30 Boten.
Auch in Österreich hatte sich ein landesherrliches Postwesen entwickelt. Unter Kaiser Friedrich III. (1440 - 1493) wurde ein Kurs von Wien nach
Italien eingerichtet, der unter der Oberaufsicht des Oberjägermeisters Roger von Taszis stand. Maximilian, der Sohn dieses Kaisers, hatte sich Burgund erheiratet, von dem ihm nach Kriegen mit Frankreich noch das
heutige Belgien und die südlichen Niederlande blieben. Als Landesherr hatte der Habsburger mit den Residenzen Wien und Brüssel noch größere Informationsprobleme als die erwähnten Hohenzollern und Wettiner.
Die Familie derer von Thurn und Taxis spielte von den Zeiten des Kaisers Maximilian bis 1867 im deutschen Postwesen eine herausragende Rolle. Die
Torriani (torre Italienisch:Turm) waren im 12. und 13. Jahrhundert Herren oder Statthalter in Mailand. Nach jahrzehntelangen Kämpfen mußten sie im Anfang des 14. Jahrhunderts den Visconti weichen und zogen sich in
das Gebiet nördlich von Bergamo zurück. Lamoral de la Tour (Torriani) , der Stammvater der Familie erwarb dort bei Camerata/Cornello das Tazis’sche Gebirge, nach dem er sich auch Lamoral de la Tour Tassis oder auch
nur Lamoral Tassis nannte. Eine andere Erklärung für diesen Namen ist das Wappentier, ein Dachs, italienisch tasso. Bewohner dieser kargen Gegend verdingten sich schon früher als Kuriere in fremde Dienste. Tassis
erscheinen in der Folge in Listen der Botenanstalten Venedigs und des Vaticans.
Ab 1490 organisierten drei Tassis, Janetto (= Johannes Dax), sein Bruder Francesco und sein Neffe Johann Baptista, von Innsbruck aus das königliche
Postwesen Maximilians mit Posten im Abstand von 5 Meilen (ca. 37 km). Es sollte nur staatlichen und dynastischen Belangen dienen und mied die großen Städte am Kurs. Die wirtschaftlich und für den stets um Geld
verlegenen Maximilian wichtigsten Gebiete waren Belgien/Niederlande und Italien, insbesondere Oberitalien. So gingen die Kurse von Innsbruck aus nach Nordwesten bis Brüssel/Mecheln, nach Süden über Trient nach
Venedig, Rom und Neapel und nach Osten bis Wien.
1505 wurde Franz von Taxis Hof-/Generalpostmeister in Brüssel und erhielt weitgehende gerichtliche und disziplinarische Vollmachten über seine
Untergebenen. Die Kosten des Postkurses Brüssel-Innsbruck wurden aus den reicheren königlichen Einkünften in Belgien/Niederlande getragen. Die Entfernung von Posten zu Posten wurde auf 4 Meilen (30 km) verkürzt und
dafür maximale Beförderungszeiten für amtliche Depeschen festgesetzt, z.B. 5 ½ Tage von Brüssel nach Innsbruck. 1587 wurde der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Relaisstationen auf 3 Meilen und im 17.
Jahrhundert auf 2 Meilen (15 km) festgelegt. Dabei blieb es bis ins frühe 19. Jahrhundert.
Hier Bild 1 Niederländische Post 1508
Der abgebildete Kurs bildete im 16. Jahrhundert das Rückgrat der Post zusammen mit seinen Verlängerungen und Verzweigungen nach Brüssel/Antwerpen,
Prag, Wien und Trient/Venedig. Im Laufe der Zeit erkannte man, daß es sich rentierte, wenn man den Kaufleuten und Städten seine schnellen Dienste entlang den Postrouten anbot. So wurden Mitte des Jahrhunderts in
Augsburg und Antwerpen Postämter eröffnet, nachdem man schon sehr viel früher einzelnen Kaufleuten und Stadtobrigkeiten „ein peckle im Fellsack samt bryffle” mitgenommen hatte. Dann koordinierte man
noch die vorher monatlichen Abgangszeiten von Rom und Venedig so, daß zwischen Trient und Brüssel mit der reitenden Briefpost vierzehntägige Korrespondenzen möglich wurden.
Es muß hier wiederholt werden, daß die Taxispost eine habsburgische Lehenspost war, auch wenn die Habsburger als Kaiser ihre die Post betreffenden
Urkunden so abfassten, dass sie den Anschein erweckten, von einer Reichspost zu handeln. Zwar war ihnen durch die Erbschaft der Niederlande/Belgien und Spaniens mit seinen italienischen Besitzungen große Macht
zugefallen, aber die Erlaubnis, Postrouten durch die Länder anderer deutscher Fürsten zu legen, mussten die Taxis sich durch kostenlosen Transport der Amtspost dieser Fürsten erkaufen. Die Einnahmen aus den bryffle der Kaufleute reichte nicht und wiederholte Staatsbankrotte Spaniens ab 1565 sowie den konfessionellen Aufstand der Niederländer ließ die Subventionszahlungen stocken. Durch Besoldungsrückstände der Postmeister wurde der regelmäßige Lauf der Briefpakete vor allem im württembergisch-pfälzischen Kursabschnitt äußerst behindert. Die Kaufmannsboten,insbesondere die Augsburger wurden wieder zu einer gefährlichen Konkurrenz bis in die Niederlande. Der Kölner Postmeister Henot versuchte anfangs noch im Dienste der Taxis, dann mit einem eigenen Unternehmen, den Betrieb der Reichspost in Gang zu halten bzw. wieder aufzunehmen, scheiterte aber. Als die niederländischen Gelder ab 1593 wieder flossen, konnte Leonhard von Taxis allmählich die Rückstände abzahlen, den Betrieb konsolidieren und wieder gegen das städtische Amtsbotenwesen vorgehen. 1595 erklärte Kaiser Rudolf II. das Postwesen zu einem „hochbefreiten kaiserlichen Regal”, zu dessen Ausübung allein die Taxis-Postanstalt befugt war. 1615 wurde dem Freiherrn Lamoral von Taxis das oberste Postmeisteramt im Reich als erbliches Lehen übertragen.
Hier Bild 2 Henot’ sche Posten um 1600
Im Dreißigjährigen Krieg war die kaiserliche Reichspost für die Protestanten eine „katholische Post” und somit unter Spionageverdacht. Solange
Wallenstein und Tilly im ersten Drittel des Krieges siegten, war das kein Nachteil. Sie konnte sich in der Mitte und im Norden Deutschlands ausbreiten. Als aber die Schweden ab 1630 das Blatt wendeten, sah es nach
einiger Zeit so aus, als ob der ehemals Taxissche Postmeister in Frankfurt Johann von der Birghden als schwedischer „verordneter obrister Postmeister” die Taxis-Post bis Oberitalien ablösen würde. Die schwedische
Niederlage 1634 bei Nördlingen verhinderte das, aber es dauerte Jahrzehnte, bis die Reichspost wieder ihre alte Kraft gewann.
Schon 1637 befasste sich ein kurfürstlicher Kollegtag in Regensburg mit der Frage eines landesherrlichen, nicht nur kaiserlichen Postregals. Zwar
wurde das im Westfälischen Frieden 1648 nicht behandelt, aber das Selbstbewußtsein der Landesherren war gewachsen. Als Lamoral II. von Taxis 1651 einen Postkurs von Münster nach Cölln (heute Berlin) einrichten
wollte, schrieb ihm der Kurfürst von Brandenburg, daß er bereits eigene Posten in seinem Land angelegt habe und „daher zur Vermeidung anderer Ungelegenheiten keine anderen gedulden könne”.
Diesem Beispiel folgten in den Jahrzehnten danach auch andere norddeutsche Landesherren, die erst nach und nach die Nachteile einer Obstruktionspolitik erkannten. Erst zu Beginn des 18. Jahr-hunderts konnte die Reichspost unter Abstrichen am Anspruch auf das volle Postmonopol ihre führende Rolle im Reich behaupten. Das wichtigste Argument außer der pünktlichen Arbeit war die kostenfreie Beförderung der staatlichen und herrschaftlichen Post, mal nur für die fürstliche Familie, mal auch für den gesamten Hofstaat, mal nur für die Verwaltungsspitzen, mal für den gesamten Beamtenapparat. Im Gegenzug genoß das T&T- Reichspostpersonal Personalfreiheit und Befreiung vom Wachtdienst und anderen üblichen oder außerordentlichen Lasten, z.B. Einquartierungen. Kaiserliche Schutzbriefe sollten vor Übergriffen feindlicher und eigener Truppen bewahren. Außerdem sollten die Vertragspartner der Post dafür sorgen, daß Postdienste nicht auch von anderen besorgt wurden. Fuhrleuten war entlang den Postrouten nur noch die Beförderung von Kaufmannswaren gestattet, nicht aber von Briefen und Paketen. Lohnkutscher durften Passagiere erst nach einer Pause von drei Tagen weiter befördern. Wo die Post nicht hinkam, konnten sich kleine Botenanstalten und Privatboten bis weit in das 19. Jahrhundert halten.
Mit den konkurrierenden Postanstalten (Preußen, Sachsen, Braunschweig, Hannover, Österreich und Salzburg) sowie den Staatspostverwaltungen in
Frankreich, England und Dänemark und den Postämtern in den Niederlanden, Schweiz und Italien wurden bilaterale Verträge abgeschlossen und Austauschpostämter in Grenznähe bestimmt. Außer zeitweise in sieben Kriegen,
bzw. in den von Kriegen betroffenen Gebieten, war das 18.Jahrhundert ein Jahrhundert des Aufschwungs. Zwar waren in Deutschland nur in 52 Jahren nicht irgendwo Feldzüge und die längste Friedenszeit währte 26 Jahre
von 1714 bis 1739 -, aber in den Dörfern um Mannheim stieg die Bevölkrungszahl auf das Dreifache. (Mannheim war untypisch: Erst zerstörte Festung, dann Residenz und am Schluß Stagnation ohne den Hof). Die oberste
Leitung der T&T - Post, auch die für die Reichspost, hatte bis 1701 ihren Sitz in Brüssel. Wegen des Spanischen Erbfolgekriegs verlegte sie ihren Sitz in die Reichsstadt Frankfurt, wo das Oberpostamt zugleich
Oberpostdirektion wurde. Die Oberpostdirektion verblieb in Frankfurt bis zu ihrem Ende 1867, während Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis 1748 die Residenz der Familie nach Regensburg verlegte, wo sie noch
heute ist samt dem wertvollen Archiv..
Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, in den meisten Fällen auch in das 18. Jahrhundert hinein, kann man bei dem Wort Post davon ausgehen, daß es sich
um (reitende) Briefpost handelt. Ordinari Post heißt (zeitlich) regelmäßige Post, nicht Fahrpost, wenn es auch oft in diesem Sinn gebraucht wurde und wird. Die erste Fahrpost wurde 1690 zwischen den Handelsstädten
Nürnberg und Frankfurt eingerichtet. Man darf sich die damaligen „Kutschen” sicher nicht so hochbordig leicht gebaut und gut gefedert vorstellen, wie sie auf Genrebildern des 19. Jahrhunderts zu sehen sind. Die
hätten die üblen „Straßen” nicht ausgehalten, die sich kaum von (nicht geteerten !!) Feldwegen unterschieden. Solche Fahrzeuge machten erst geradlinige Chausseen mit festem Fahrdamm und Seitengräben möglich wie die
von Mannheim nach Schwetzingen 1752 oder nach Heidelberg 1763. Im vorliegenden Rahmen kann aber weder die Entwicklung des Straßen-(und Eisenbahn)baus noch die Ausdehnung des T&T- Postnetzes und auch nicht der
jahrhundertelange Kampf der Reichspost mit den Landesposten, Briefboten, Hauterern und Landkutschern dargestellt werden. Es soll nur, wie eingangs erwähnt, die Entwicklung des Postwesens bis zu dem Zeitpunkt
geschildert werden, zu dem nicht nur in der Stadt Mannheim, sondern auch in den alten Dörfern um die Stadt herum eine regelmäßige Postversorgung vorhanden ist.
Am Ende des 18. Jahrhunderts besetzten die revolutionären Truppen der Franzosen das linke Rheinufer und blieben dort bis zur Vertreibung Napoleons
1814. In der Zwischenzeit war aber der deutsche Kaiser nur noch Kaiser von Österreich und die alte Struktur des Deutschen Reiches durch die Fürsten zerstört, die im Reichsdeputationshauptschluß 1803 revolutionäre
territoriale Änderungen zu ihren Gunsten vereinbarten und mit Napoleons Unterstützung durchsetzten. Der Reichspost war damit die Grundlage entzogen. Nicht nur Preußen, Sachsen, Hessen-Kassel und
Braunschweig-Lüneburg bestanden wie schon über hundert Jahre lang auf ihren eigenen Landesposten, sondern jetzt auch sofort der neue König von Württemberg, dann mit einer kurzen Schamfrist auch der neue König von
Bayern 1808 und mit einer etwas längeren der neue Großherzog von Baden 1811.
Die Fürsten von Thurn und Taxis waren „mediatisiert”, d.h. ins zweite Glied gerutscht. Trotzdem
verhandelten sie „in Augenhöhe”, wo es noch eine Chance für sie gab, wo sie die Post als Lehenspost betreiben konnten, oder wo deutsche Staaten mit
eigener Landespost den bürokratischen Aufwand für den grenzüberschreitenden Postverkehr und die Portoabrechnung vermeiden wollten. Das waren die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck, dann Hohenzollern, Frankfurt,
Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Hessen- Homburg und Nassau, Schaumburg-Lippe, ferner fünf Herzogtümer in Sachsen und noch anderen Herrschaften, die im Michel Deutschland-Spezial 2003 auf Seite 248 nachgelesen
werden können.
Nach der Niederlage der Mittelstaaten und Österreichs 1866 bei Königsgrätz im Kampf gegen Preußen meldete am 22.Juli 1866 Heinrich Stephan nach
Berlin: „ Ich hatte die Thurn und Taxissche Postverwaltung übernommen. Es war ein historischer Akt: Der Fall eines 300jährigen Instituts...”. 1895 anerkannte Heinrich von Stephan allerdings, daß es T&T
verstanden habe, sich unter oft schwierigen Umständen und selbst bei tiefgreifenden Erschütterungen der Staats- und Rechtverhältnisse Altdeutschlands zu behaupten.
2) Die Entwicklung der Post in der Kurpfalz, speziell in Mannheim
Um im Rahmen einer Arbeit für das Sammler-Echo zu bleiben, wurde bisher vermieden, die vielen Kurse der Taxis-Post, z.B. nach Italien oder nach
Spanien durch Frankreich etc. zu beschreiben. Aus demselben Grund muß aber die Post in Mannheim genauer dargestellt werden.
Zwar hatte schon Henot 1577 mit einem Nebenkurs die Stadt Köln an den Hauptkurs angebunden, aber erst 1603 nahmen die Taxis diese Initiative wieder
auf, als sie Frankfurt mit einem Kurs entlang der Bergstraße mit Rheinhausen verbanden. Der Kurs wurde im folgenden Jahr in Konkurrenz zu Kölner, Frankfurter, Nürnberger und Augsburger Boten nach Köln verlängert.
Dieser Kurs kreuzte den Neckar bei Neckarhausen, wo 1614 eine Posthalterei nachgewiesen ist. Erster Posthalter war damals Johann Jakob Fillbrunn, 1651 dann dessen Sohn Alexander, dann der Enkel Hans Georg und
schließlich ab 1693 einige Jahre Johann Michael Süßmann, ein Schwager des Alexander Fillbrunn. Die Posthalterei befand sich an der Stelle des späteren Schlosses.
Aus der Zeit nach der Stadtgründung Mannheims 1607 ist nichts über Post für die Bewohner der Stadt und für die Besatzung der Festung bekannt. Obwohl
es die Quellen sehr wahrscheinlich machen, daß die Post auch während des Dreißigjährigen Krieges, unterbrochen von den Schweden, weiter funktionierte, ist nichts aus dieser Zeit für Mannheim überliefert. 1662
beschließt der Stadtrat die „holändischen und frantzösichen Postzeitungen” wöchentlich kommen zu lassen und ab 1663 geht der Schulmeister Lamertz als nebenberuflicher „Postknecht” einmal wöchentlich nach
Neckarhausen. 1668 löst ihn der Buchbinder Ludin ab, der für denselben Botenlohn in der Woche zweimal mit einer Ordinari-Kutsche dahin und Personen nach Heidelberg weiterfährt. Ab 1670 fährt eine solche Landkutsche
nach Frankfurt und 1673 eine andere nach Worms.
1674 richtet Taxis eine eigene Poststation in Mannheim ein. Der Postmeister Mathias Steinweg bleibt nur ein Jahr. Seinem Nachfolger Hans Philip
Ließern wird die Einbürgerung verweigert „wegen erheblicher Vor-Straff”, aber Ende 1776 übergibt man ihm noch die „ordinari Fuhr auff Heidelberg”. 1681 wird er wieder Schultheiß in Brühl und seine Stelle als
Postverwalter erhält Josias de Maret. Wie lange der diese Stelle hatte, und wann sie sein Nachfolger als „kayserl.” Posthalter Hanß Georg Bieler/Bühler annahm, ist wegen der Totalzerstörung Mannheims im Orleansschen
Krieg (1688-1697) nicht zu ermitteln. Postmeister waren übrigens die Leiter des Betriebes, der ihm unterstellte Posthalter ein Fuhrunternehmer, der alles für die Fahrpost zu besorgen hatte.
Als die Franzosen in diesem Krieg große Teile der Pfalz besetzten, weigerte sich Taxis, dort die Postkurse aufrechtzuhalten. Um die Ämter- und
Regierungspost innerhalb der Kurpfalz befördern zu können, richtete die Regierung, die sich kriegsbedingt nach Weinheim begeben hatte, eine sogenannte Dragoner- oder Ordonanzpost ein. In bestimmten Städten an den
Ordonanzpostkursen wurden in dazu eingerichteten Ordonanzposthäusern bis zu drei Soldaten einquartiert, welche die Post in Etappen wöchentlich von Weinheim in die größeren Städte brachten, von wo sie die dortigen
Amtsboten in die Ortschaften weiterbeförderten. Die Ordonanzpost erwies sich in der Folge als die billigste Beförderungsmöglichkeit und wurde auch nach Abschluß der Postverträge zwischen Kurpfalz und Taxis mit
Portofreiheit des Hofes 1730 abseits der Taxiskurse beibehalten.
Nach dem Aussterben der Wittelsbacher Linie Pfalz-Simmern 1685 in Heidelberg fiel deren Erbe an die Linie Pfalz-Neuburg in Düsseldorf. Die
Kurfürsten Philipp Wilhelm und Johann Wilhelm blieben noch in Düsseldorf. Erst Karl Philipp zog 1717 nach Heidelberg und verlegte 1720 seine Residenz nach Mannheim. Es bestand ein Bedürfnis für einen möglichst
direkten Personen- und Güterverkehr zwischen den beiden Landesteilen. Den richtete nicht Taxis ein, sondern mit kurfürstlichem Privileg vom 27.6.1705 der Kommerzienrat und „Kauffhändler” Heinrich von Aussem aus
Mühlheim, der eine dreimal wöchentliche Fahrt zwischen Mühlheim (Rhein), Frankfurt und Heidelberg/Mannheim einrichtete. Das Mitführen von Briefen auf diesen Landkutschen war verboten und wurde von Taxisleuten
überwacht. Nach vielen Versuchen, der Aussemschen Konkurrenz das Leben schwer zu machen, konnte Taxis sie endlich 1774 aufkaufen, als die Erben in finanzielle Schwierigkeiten gekommen waren. Das war vielleicht eine
Spätfolge der Vereinbarung von 1743 zwischen Kurfürst Karl Theodor und Alexander Fürst von Thurn und Taxis, daß der 1730 projektierte wöchentliche kaiserliche Postwagen von Mannheim über Frankfurt und den Westerwald
nach Köln endlich laufen und sogar nach Düsseldorf weiterfahren sollte.
Zurück nach Mannheim. Posthalter Bühler führte 1706 einen Papierkrieg gegen den „Landgutscher” Johann Balthasar Metzger, weil dieser
unerlaubterweise ein Posthorn blase. In einem Mannheimer Ratsprotokollen vom 14. Februar 1713 wird der kaiserliche Postmeister Hans Georg Forchtmeyer aufgefordert, den beklagten Posthalter Georg Bühler davon
abzuhalten, sich „sowohl gegen inländische als auch ausländische Passanten sehr gröblich” aufzuführen. Forchtmeyer hatte 1699 das Postamt „neu auf eigene Kosten” angerichtet. Nach seinem Tod 1725 übernimmt
sein Schwiegersohn Gabriel Pfeuffer das Postmeisteramt, danach Postamtsverwalter Schedel und 1751 Postmeister Wilhelm von Ludewig. 1750 wird eine eigene Postwagenexpedition eingerichtet, und von 1755 bis 1760 wird ein kaiserlicher Posthalter Johann Georg Mayer im Stadtrat als „würklicher Rathsverwandter” erwähnt. Ab 1785 bis 1827 war M. von Ludewig Postverwalter und Postmeister. Ende des 18. Jahrhunderts waren außer dem Postmeister noch fünf Offiziale, zwei Briefträger und die Witwe Keller als Posthalterin beschäftigt. Seit den Ludewigs war die Postmeisterei in O 2,4.
In diesem Aufsatz wurden Postkurse nicht zeitlich systematisch erörtert. Das ist nur sehr schwer mit Worten darstellbar und eigentlich nur sinnvoll,
wenn man den zeitlichen Verlauf einer Verbindung zwischen zwei Städten erörtern will. Wer es trotzdem wissen will, kann in der Bibliothek des Stadtarchivs Mannheim die „Kurpfälzischen Hof und Staatskalender” von
1756 bis 1778 durcharbeiten. Karten bieten einen Ersatz, aber nur für einen Zeitpunkt. Die dritte hier abgebildete Karte “Thurn und Taxis-Karte von 1793 wurde bereits im Sammler-Echo 151 abgebildet.
Dr. Hansjürgen Kessler, Mannheim im Dezember 2003
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